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„Grachtentocht“ Amsterdam 2016

„Grachtentocht“ Amsterdam 2016

Alle zwei Jahre veranstaltet der KV Sloterplas Anfang September die Internationale Grachtentocht. Die Veranstaltung ist sehr beliebt, deshalb mussten wir uns auch schon sehr früh im Jahr anmelden. Die Anzahl der Zeltplätze ist begrenzt. Die Anreise war am Freitag vorgesehen, wir wollten als Gruppe mit 10 Mitpaddlern gern zusammen zelten, was auf dem engen Gelände dann gerade noch so geklappt hat. Am Freitagabend konnten wir dann noch eine kleine Ausfahrt auf dem Slotermeer unternehmen.

Am nächsten Morgen trennten sich die Wege: Die größere Gruppe plante das Sightseeing in Amsterdam zu Fuß, nur zu dritt waren wir auf dem Wasser, um schon mal den Weg für die Nachtfahrt zu erkunden. Toll, dass man dort ohne wesentliche Einschränkungen in dem teils dichten Verkehr zwischen den Ausflugsbooten paddeln darf. Gute Bootsbeherrschung und ein guter Orientierungssinn sind sehr hilfreich, um die Fahrt zum Genuss werden zu lassen. Auch wenn ich sonst lieber in der Natur, besonders auf dem Meer paddle, die Grachten von Amsterdam haben ein besonderes Flair. Beim Paddeln durch Amsterdam zeigt sich besonders eindrucksvoll, wie unsere niederländischen Nachbarn mit dem Wasser leben. Wohl nirgends sonst in Europa dürfte es so viele Hausboote geben und die Architektur der Häuser scheint das Thema Wasser immer wieder aufzunehmen. Wir gleiten vorbei an gut herausgeputzten alten Booten, aber auch an so manchem Wrack, teils voll mit Wasser.

Etwas nördlich des Schifffahrtsmuseums finden wir ein uriges Restaurant mit einer guten Ausstiegsmöglichkeit. Ein brauchbarer Mittagstisch wartet auf uns. Nach ausgiebiger Pause treten wir den Rückweg zum KV Sloterplas an. Wieder paddeln wir durch den dichten Verkehr der Ausflugboote und können an so mancher Kreuzung die geschickten Manöver der Steuerleute bewundern, wenn wir deren Schiffen die Vorfahrt gewähren müssen.

Nach einer gemütlichen Runde vor den Zelten, auch die Fußgänger waren wieder zurück, begannen wir gegen 19.00 Uhr mit den Vorbereitungen auf die Nachtfahrt. Die Gastgeber hatten alles gut durchorganisiert. Es wurde in Gruppen mit einem Zeitabstand gestartet, was besonders wegen der Umtragestelle Sinn macht. Jede Gruppe bekam einen Guide und einen Lumpensammler. Vorher hatten unsere, teils bei Arjan Bloem frisch erworbenen, Kopflampen hergerichtet. Ohne die und ohne, eine gewisse Sicherheit beim Ein- und Aussteigen darf keiner an der Tour teilnehmen, so stand es in der Ausschreibung! Die Sorgen aber, die sich Einige in unserer Gruppe deswegen gemacht hatten, erwiesen sich als überflüssig.

Bald schon ging die einsetzende Dämmerung in Dunkelheit über und nur noch mit einiger Mühe war die Strecke, die wir ja bereits am Morgen gepaddelt waren, wieder zu erkennen. Gut, dass der Guide vorwegfuhr. Bald schon hatten wir Teilnehmer anderer Gruppen erreicht und als in einer Engstelle jemand kenterte gab es ein kleines Chaos. Wir mussten an einer unübersichtlichen Stelle bei häufigem Gegenverkehr der Ausflugsboote warten, bevor die Gruppe endlich weiterfahren konnte. Zwischenzeitlich hatte der angekündigte Regen eingesetzt, der das ohnehin schon etwas mühsame Umtragen an der Schleuse nicht angenehmer machte. Den letzten Streckenabschnitt hatte die Organisatoren mit Cyalume Lichtern dekoriert, die Einfahrt zum Ziel war also gut zu erkennen. Kurz nach Mitternacht erreichten wir unseren Zeltplatz, der Grill war in Betrieb, und Bier gab es auch noch. Der Regen hatte nachgelassen und Tarps und Mannschaftszelte boten Schutz.

Bis zum Morgen war der Regen durchgezogen und die Sonne ließ sich wieder sehen, einer weiteren Tour durch Amsterdams Innenstadt mit allen zehn Teilnehmern in der Gruppe stand also nichts im Weg. Mittlerweile kannten Martin, Svend und ich uns recht gut aus, schließlich starten wir das dritte Mal zu einer fast gleichen Fahrt. Am Montag beendeten wir unserem Amsterdam Aufenthalt mit einer kleinen Ausfahrt auf den Grachten bevor es wieder nach Hause ging. Ein gelungenes Wochenende lag hinter uns.

Info: auch außerhalb der Grachtentocht kann man bei KV Sloterplas übernachten und von dort aus Amsterdam erkunden. Das Paddeln bei Dunkelheit ist auch außer halb der offiziellen Veranstaltung gestattet, wenn ein weißes Rundumlicht sichtbar eingeschaltet mitgeführt wird.

Detlev Kalter

Fotos: Detlev Kalter