Kajak Aktiv

„Lehrde 2017

„Lehrde, dieses Mal fast ein Wintermärchen

Geregnet hatte es und zusätzlich noch geschneit, so war ein brauchbarer Wasserstand, gepaart mit schöner Winterlandschaft zu erwarten. Ohne Wind, bei einer Temperatur um 0 Grad und größtenteils Sonnenschein oder leichter Bewölkung hatten wir ideale Paddelbedingungen. Schon um kurz nach zehn waren wir auf dem Wasser. Der Wasserstand war tatsächlich ideal und die ersten Buschhindernisse konnten wir problemlos passieren, bis wir doch wegen eines quer im Fluss liegenden Baums umtragen mussten. Es sollte aber bis Stemmen das einzige ernst zu nehmende Hindernis bleiben.

Die Lehrde ist einer der letzten Kleinflüsse, der von August bis Februar nicht gesperrt ist. Allerdings braucht es schon eine leicht überdurchschnittliche Regenmenge, damit eine Befahrung ökologisch vertretbar ist. Das war früher, als es noch keine Grundwasserförderung in der Umgebung gab, anders. Der Fluss war, mit Ausnahme sehr trockener Sommer, ganzjährig befahrbar, sogar mit 2er Faltbooten. Damals, in den Sechzigern des vorherigen Jahrhunderts, gab es sogar eine Zeltmöglichkeit und so manche Zweitagesfahrt von Stellichte bis zum WSV Verden fand statt. Im Frühjahr gab es die Lehrderegatta, ein Abfahrtsrennen und ein Riesenslalom. Längst Geschichte ist diese Art des Wassersports auf der Lehrde. Trotzdem sind die seltenen Fahrten auf dem weitgehend naturbelassen, sich dahin schlängelnden Fluss immer einer der Höhepunkte im Winterpaddelkalender. Die Wehre bis Stemmen sind verschwunden, ich weiß nicht, ob durch Menschen, die sie einst gebaut haben oder ob sich die Natur einfach das zurück geholt hat, was ihr gehört. Statt der Wehre gibt es nun kleine Schwälle, die für Aufregung bei manchem Erstbefahrer des Flusses sorgen, aber harmlos sind.

Die verschneite Landschaft hat bei Kleinflussfahrten einen besonderen optischen Reiz. Schnee liegt an den Flussufern und auf den Bäumen und hellt die sonst doch eher triste Winterlandschaft auf. Da uns kaum ein Hindernis aufhielt, waren wir so früh in Stemmen, dass wir uns entschieden noch bis zur Bücke Wittlohe zu paddeln. Ein ebenfalls landschaftlich sehr schöner Flussabschnitt mit alten, teils verfallenen Brücken erwartete uns. Nach einer kurzen Pause setzten wir unterhalb des alten Mühlenwehres ein. Der Mühlenbetrieb ist längst eingestellt, aber es gibt im Mühlengebäude eine kleine, wassergetriebene Turbine zur Stromerzeugung und das historische Gebäude ist gut instand gesetzt. Kurz vor unserem Ziel versperrte uns doch noch eine quer über dem Fluss liegende mächtige Eiche den Weg, ein letztes Mal war Umtragen angesagt.

Nun stand uns noch eine schöne Winterwanderung zurück zum Auto bevor. Die Geestlandschaft, durch die sich die Lehrde ihren Weg bahnt, ist abwechslungsreich, hügelig und für unsere Verhältnisse fast schon einsam. Kaum ein Haus liegt an der Lehrde und auf dem 2,5 stündigen Rückweg passierten wir nur zwei kleine Orte. Der Himmel war inzwischen dunkelblau, die Sonne gab sich alle Mühe uns zu wärmen, sank aber immer tiefer. Bald begleiteten uns lange Schatten. Ein schöner Januartag neigte sich dem Ende.

Bilanz: Wieder mal eine tolle Tour, die nach Wiederholung ruft.

Detlev Kalter

Fotos: Detlev Kalter