Kajak Aktiv

Unterweser und das Erlebnis von „auflaufend Wasser“ in der Schweiburg

Unterweser und das Erlebnis von „auflaufend Wasser“ in der Schweiburg

1. Etappe: 09:30 – 11:30 Uhr Sandstedt bis Sandstrand Schöne Aussicht

2. Etappe: 13:45 – 15:45 Uhr bis Dedesdorf

3. Etappe: 17:45 – 20:30 Uhr Extraschleife: Schweiburg bis Sandstedt

Tourlänge: 45 KM

Siegfried und ich wurden bei dem im Frühjahr ins Leben gerufenen „ostwestfälischen Seekajak-Stammtisch“ auf das Fahrtenangebot von Kajak aktiv aufmerksam. Es hieß, Kajak aktiv sei ein Zusammenschluss von kajakbegeisterten Leuten aus Bremen, die private Touren unternehmen und offen sind für interessierte Mitpaddler. Daraufhin habe ich mir die Internetseite angesehen und direkt eine Mailanfrage mit ein paar Informationen über unsere Paddelerfahrung an Marc geschrieben, der die Tour ausgeschrieben hat. Ziemlich bald bekamen wir auch schon Antwort, dass wir mitfahren können.

Am 6. Mai 2017 findet sich also eine buntgemischte Gruppe von 14 Kajakfahrer/innen aus Bremen, Oldenburg und Halle/Westfalen zur Fahrt auf der Unterweser zusammen. Auf dem Parkplatz am Fähranleger herrscht bereits emsiges Rödeln als wir ankommen. Überrascht treffen wir sogleich auf einige bekannte Gesichter aus Oldenburg, die wir erst am Wochenende zuvor kennengelernt haben. Auch wer sich hier zum ersten Mal trifft, kommt schnell in Kontakt. Marc ruft uns alle zu einer Vorstellungsrunde und kurzem Briefing zusammen und Detlev macht uns abschließend auf mögliche Sichtung von Seeadler, Tümmler oder Seehund aufmerksam. Pünktlich um 9:30 Uhr sitzen alle in Ihren Kajaks.

Von Sandstedt geht es zunächst über den Nebenarm Kleine Weser östlich an Harriersand vorbei. Anfangs recht breit verengt sich hier die Kleine Weser, die in einer beschaulichen Landschaft liegt. Bevor wir am südlichen Ende das Weserfahrwasser queren entdecken wir dann auch eine Gruppe Seeadler über uns kreisen. Kurz darauf landen wir an unserem ersten Pausenplatz, dem Sandstrand neben dem Campingplatz von Oberhammelwarden (11:30 Uhr), an. Es ist recht kühl, daher ziehen wir uns als erstes eine Windschutzschicht über und genießen Sabines selbstgebackenen Kuchen mit heißem Tee. Für uns, die zum ersten Mal auf diesem Weserabschnitt unterwegs sind, bieten sich immer wieder beeindruckende Szenen, wenn große Frachtschiffe oder eine unter englischer Flagge fahrende Luxusjacht vorüber ziehen.

Da hier eine längere Pausenzeit vorgesehen ist und nicht alle unter Detlevs orange leuchtendes bothy shelter1 passen, wollen die meisten in der Schönen Aussicht ein warmes Getränk einnehmen; eine kleine Gruppe bleibt am Strand bei den Booten, da sie bald zurück nach Sandstedt fahren wollen.

Um 13:45 Uhr geht es mit ablaufendem Wasser nun am westlichen Weserufer entlang, Harriersand liegt rechter Hand. Anders als im Wattenmeer, ist die Betonnung hier enger beieinander und es fällt leichter zu erkennen, ob wir uns außerhalb des Fahrwassers sowie der - mit Kardinaltonnen gekennzeichneten - Uferbereiche befinden. Im Bereich der nördlichen Spitze von Harriersand spüren wir dann deutlich die Strömung aus dem Nebenarm. Wie zügig wir unterwegs sind, erkennen wir an der vorbeiziehenden Landschaft. Marc gibt uns während der Fahrt Hinweise auf markante Landmarken, wie die verschiedenen Unter- und Oberfeuer, die Pegelmessstelle, etc.

Jemand ruft, als für einen Augenblick ein Schweinswal gesichtet wird, leider war ich nicht schnell genug und habe ihn verpasst. Kurz vor der Fähre von Brake queren wir das Fahrwasser wieder Richtung Harriersand, wo unsere bereits angekommenen Mitpaddler noch am Ufer zu uns herüber winken. Wir steuern auf das 2. Etappenziel (15:45 Uhr), die Rampe bei Dedesdorf, zu und bevor wir anlanden, gibt Marc uns den Hinweis, die von dem Frachtschiff hinter uns verursachten Uferwellen abzuwarten, um dann nacheinander anzulanden, weil die Rampe mit scharfen Muscheln übersät ist. Einem nach dem anderen hilft Marc beim Aussteigen und alle Mitpaddler sich gegenseitig beim Boote tragen über den rutschigen Beton. Ziel ist als nächstes der Fischwagen mit recht bequemen Sitzgelegenheiten und leckeren Fischbrötchen, Backfisch oder Kibbelinge.

Einige Mitpaddler/innen hatten im März an Marcs Workshop zur Fahrtenplanung teilgenommen und jetzt war es an der Zeit einen Blick auf die Soll/Ist Daten ihrer Planung zu werfen. Fazit: wir befinden uns deutlich vor dem Plan und haben also Zeit satt. Ob der kühlen Temperaturen stellt sich die Frage, ob wir vor der geplanten Abfahrtszeit unsere 3. Etappe über die Schweiburg zurück nach Sandstedt fortsetzen wollen. Die Gruppe will. Marc gibt noch zu Bedenken, dass wir womöglich noch kein Wasser unter dem Kiel haben werden, auf der Schweiburg. Doch wir entscheiden uns für das Erlebnis „auflaufend Wasser“ auf der Schweiburg und queren um 17:45 Uhr bereits zur gegenüberliegenden Rampe, fahren vorbei an dem KKW und kurz darauf in den Weserarm Schweiburg.
Wieder ist der Flußlauf anfangs breiter und wird zunehmend schmaler. Landschaftlich bietet sich uns hier, hinter der Strohauser Plate eine sehr schöne watt- und Schilflandschaft. Bald können wir nicht mehr nebeneinander paddeln, es wird zunehmend enger und flacher und wir kommen jetzt viel langsamer voran, bis wir dann an die Stelle kommen, an der die Schweiburg völlig trocken gefallen ist. Während die vorderen Paddler schon auf Grund laufen, werden die hinteren vom Wasser vorangeschoben. In kurzen Abständen entsteht immer wieder lustiges Getümmel von Festsitzenden und Treibenden. Gute Stimmung hatten wir zwar während unserer gesamten Fahrt, doch jetzt erleben wir hier gemeinsam nochmal eine ganz besondere Heiterkeit. Jede/r hat offensichtlich Spaß an diesem Erlebnis des auflaufenden Wassers in diesem Flussabschnitt. Auch die Abendstimmung schenkt uns ein reizvolles Bild: nach einem ehr kühlen und trüben Tag, scheint jetzt angenehm warm die Abendsonne durch die dunklen Regenwolken hinter uns. Ein ganz besonderes Licht wirft die Sonne auf die feuchten, mit Schilf bewachsenen Wattflächen am Ufer. Wir staunen, wie schnell das Wasser steigt und es dauert jeweils nur einen kleinen Moment, bis wieder genug Wasser unter dem Kiel fliest, und nur einen Augenblick der Fahrt bis das Boot wieder trocken sitzt, während vor uns die Fischreiher seelenruhig weiter im Watt picken. Langsam kommt nun Müdigkeit auf und wir sind froh das Watthoch überquert zu haben, als wir das Wasser vor uns entdecken. Nun sind es nur noch wenige hundert Meter bis zur Mündung, die Pricken vor uns deuten schon auf die Ausfahrt hin.
Jetzt heißt es nochmal als Gruppe sammeln um die Weser zu queren. Richtung Wesermündung leuchten bereits die Leuchtfeuer und eine besondere Ruhe liegt über dem Fluss. Unser Ziel ist erreicht. Am Strand neben dem Fähranleger werden noch die Boote vom Schweiburg-Schlick gereinigt, denn der soll sich später nur schwer entfernen lassen. Nach dem Aufrödeln von Boot und Paddler kommen alle kurz darauf nochmal zum Abschlussbriefing zusammen und hören, dass alle willkommen sind wieder mal teilzunehmen, weil wir eine angenehme Gruppe waren.

Ich habe die Kameradschaft während der Tour ebenso empfunden und danke allen Mitpaddler/innen. Ganz herzlichen Dank an Marc und Meike für eure tolle Fahrtenleitung. Es war eine rundum schöne und abwechslungsreiche Tour.

1. [bothy shelter bietet einfach und äußerst effektiv Wind und Wärmeschutz auf Kajak- oder anderen Touren; nimmt nur wenig Stauraum ein]

Susanne Redeker (Halle/Westf.)

Fotos: Rüdiger Möhle und Marc Krüger