Kajak Aktiv

Kormoranturm, Schweinswale und Seehunde

Kormoranturm, Schweinswale und Seehunde

Auf tidenabhängigen Gewässern gibt es bekanntlich einige Abhängigkeiten für uns Seekajaker. Manchmal muss man wirklich sehr früh aufstehen, so auch, als wir zum alten Turm Untereversand paddeln wollten. Um spätestens 8.00 Uhr mussten wir auf dem Wasser sein, wollten wir doch nicht durch den tiefen Schlick stiefeln. So saßen wir bereits um 6.45 Uhr im Auto. „ Das ist ja richtig schön“ meinte Birgit völlig überrascht, als sich die rote Sonne durch den Nebelschleier kämpfte. Tja, sowas bekommt nur der frühe Vogel zu sehen und wer immer wieder bekundet, dass der ihn mal am Allerwertesten könne, muss auf einige Erlebnisse verzichten.

Um 7.45 Uhr schwammen unsere Boote im Wremer Kutterhafen und wir paddelten zur Ausfahrt. Dort war der Prickenweg so üppig ausgeprickt, dass es fast ein „Prickenwald“ erschien. Selbst wir in unseren Kajaks mussten der Beprickung genau folgen, sonst hätten wir uns festgefahren. Bald war der Wurster Arm erreicht und ein kräftiger Strom unterstützte uns. Der NW mit 3-4bf sorgte gemeinsam mit dem Strom für eine angenehme Welle. Nicht zu schnell paddeln, hieß es, denn am Turm haben wir ohnehin eine lange Pause. Vor 15.30 Uhr konnten wir in Wremen nicht wieder aussteigen.

Gegenüber meiner Seekarte von 2016 ist die Position der Tonnen etwas verändert worden, was aber kein navigatorisches Problem darstellte. Der Kurs liegt immer bei etwa 310-330 Grad, Radarturm. OF Robbenplate, die alten Türme von Meyers Ledge und schließlich der Turm Untereversand, selbst die Damen waren überrascht, wie einfach hier die Navigation ist. Ein Seehund begleitete uns nun mehrere Meilen und tauchte immer wieder auf, bis wir etwas nördlich des Turms anlandeten. Um die Kormorane, die bereits mit dem Brutgeschäft begonnen hatten, nicht zu stören, sind wir nicht direkt am Turm ausgestiegen. Der Seehund war offenbar irritiert, dass unsere Fahrt beendet war, er schwamm noch einige Zeit vor unserer Anlandestelle auf und ab.

Vor vielen Jahren ist der Turm mit zusätzlichen Nistbalkonen ausgestattet worden, die heute aber zum größten Teil verfallen sind. Möglicherweise wagt sich niemand mehr auf den Turm, es sieht schon ein wenig baufällig aus. Vielleicht gibt es mittlerweile aber auch wieder so viele Kormorane, dass diese keiner menschlichen Unterstützung zum Errichten von Brutstätten benötigen.

Ein Wanderfalke schaute vorbei, interessierte sich aber nicht sonderlich für die Kormorane. Küken gibt es ja noch nicht und ein erwachsener Kormoran ist zu als Beute viel zu groß.

Gut,dass wir uns für die Trocki`s entschieden zu hatten, denn richtig warm geht anders. Der Turm Obereversand bietet, anders als der Hohe Weg, keinen Windschutz und der NW Wind versorgte uns mit kühler Luft. Abgekühlt hat sich die Luft durch das Nordseewasser, dessen Temperatur, jetzt Ende April, noch keine 10 Grad erreicht haben dürfte. Leichte Nebelschwaden trieben über das von der Sonne erwärmte Watt, über dem Wasser war es klar. Die Türme Hoher Weg, Robbennordsteert, Dwarsgat und andere, die die Weser flankieren waren gut zu sehen.

Wir waren hier völlig allein, eine herrliche Stimmung. Im Wurster Arm ist kaum nennenswerter Schiffsverkehr, nur weit draußen in der Weser war ein bisschen mehr los.

Um 13.00 Uhr konnten wir wieder in die Boote steigen, nahmen Kurs auf das OF Robbenplate. Der Wind hatte nachgelassen und wehte zudem mit dem Strom. Wir paddelten nun durch fast glattes Wasser und hofften auf Schweinswale. Aber nur ab und an tauchte mal ein Seehund auf, die Schweinswale enttäuschten uns. Bis etwa zwei Meilen vor Wremen: da tauchte plötzlich einer auf, schnaufte kräftig und tauchte wieder ab. Wenn die Schweinswale ziehen, tauchen sie relativ häufig auf. Dieses Tier jagte aber offenbar und blieb mehrere Minuten unter Wasser, daher wahrscheinlich auch das deutlich hörbare Schnaufen. Leider gelang mir kein Foto, ich mogle also mal ein Foto vom vergangenen Jahr, aufgenommen auf der dänischen Ostsee, zwischen die aktuellen Bilder.

Bilanz des Tages: Früh auf stehen kann sich lohnen!! Schön, dass sich die Erkenntnis immer stärker durchsetzt.

Text: Detlev Kalter

Fotos: Birgit Reinhard und Detlev Kalter