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Und immer erst zum Leuchtturm Arngast

Und immer erst zum Leuchtturm Arngast

Paddelt man auf dem Jadebusen, ist, klare Sicht vorausgesetzt, immer der Leuchtturm Arngast zu sehen. Am letzten Samstag war brauchbares Wetter für eine Tour auf See angesagt und die Tide war günstig um dem LT Arngast einen Besuch abzustatten.

Der steht seit 1909/10 auf einer ehemaligen Insel im Jadebusen (53° 28,881`N 008° 10,895`E). Arngast weist den Nutzern des Jadefahrwassers den Weg und dient uns als Orientierungshilfe, wenn man den Jadebusen befährt. Der Turm hat eine Höhe von 36.62m und strahlt im klassischen Leuchtturmdesign, nämlich rot-weiß „geringelt“. Die Feuerhöhe für Haupt- und Nebenfahrwasser beträgt 31,62m, die Tragweiten liegen zwischen etwa 16 und 20sm. Wie auch andere Leuchttürme, die zur gleichen Zeit errichtet wurden, ist der obere Turmkörper mittels miteinander verschraubten gusseisernen Platten errichtet. Er ruht auf 112 Holzpfählen, die etwa 7m in den Grund gerammt wurden. Bei seiner Erbauung existierte die Insel Arngast nicht mehr, ihre Reste waren einige Jahre zuvor versunken. Man kann also durchaus von einem Offshore Bauwerk sprechen, wenn auch eines, das nicht allzu weit von der Küste entfernt in flachem Wasser gebaut wurde.

Der Jadebusen entstand im Mittelalter, durch eine Reihe schwerer Sturmfluten und hatte zeitweise eine noch größere Ausdehnung als heute. Kennzeichnend waren wohl die ständigen Veränderungen durch die Fluten. Es gibt alte Karten, die sogar Dangast als Insel zeigen, insgesamt gab es wohl mal über 40 Inseln im Jadebusen.

Arngast war ursprünglich ein Dorf und Kirchspiel auf einem Moränenrücken und Teil des Festlandes mit einer Landverbindung nach Dangast. Im Jahr 1428 wurde der Name Arngast erstmalig erwähnt. Vermutlich wurde die Verbindung mit dem Festland durch die Antoniflut 1511 unterbrochen. Das nutzbare Land wurde fortlaufend verringert, das Dorf muss dann wohl schrittweise aufgegeben worden sein. Die steinerne Kirche stürzte 1611 ein, Reste der Kirchenruine waren noch bis 1661 sichtbar. 1686 gab es auf Arngast noch ein bewohntes Haus, der letze Bewohner muss in den 1690ger Jahren die Insel verlassen haben. Bis ins neunzehnte Jahrhundert hinein gab es immer noch Versuche der Landnutzung, zuletzt als Jagdrevier von Dangaster Kurgästen. Von 1879 bis 1897 pachtete ein Vareler Ratsherr Arngast, um den Jagdbetrieb zu unterbinden. Illegaler Sandabbau und sicher auch der Ausbau des Jadefahrwassers als Zufahrt zum Kriegshafen mit den damit verbundenen höheren Strömungsgeschwindigkeiten, dürften zum Verschwinden der Insel Arngast in den Winterfluten 1904/05 geführt haben.

Für alle, die nicht allzu weit von Wilhelmshaven entfernt wohnen, bietet sich eine schöne Tagestour ab Wilhelmshaven Nassauhafen an. Dort kann man direkt an der Rampe gegen eine geringe Gebühr bequem parken. Die Benutzung der Rampe ist eigentlich gebührenpflichtig, daher bitte unbedingt beim Hafenmeister melden, wenn der vor Ort ist. Bisher war das Errichten der Parkgebühr (der Parkscheinautomat ist auch zu füttern, wenn niemand im Büro sitzt!!) immer ausreichend, um auch die Rampe benutzen zu dürfen

Der Start am Nassauhafen erfolgt deutlich vor Hochwasser, wie lange hängt, von der Tourvariante ab, die gefahren werden soll. Gut geeignet sind also Tage mit Hochwasser um die Mittagszeit, Tage, die für eine Tagestour zu einer Insel weniger geeignet sind. Das macht den besonderen Reiz aus, da die Anzahl der potentiellen Paddelwochenenden zunimmt, wenn man eine Tagestour so planen kann, dass der Pausenort bei Hochwasser angelaufen wird.

Drei Varianten der Tour lassen sich ab Nassauhafen fahren, alle führen zunächst einmal zum Leuchtturm Arngast , gleichzeitig sicherlich ein Höhepunkt der Tour. Fährt man nahe an den Turm heran oder am Turm vorbei nach Dangast, ist die 3h Regel beachten, denn der Turm liegt in Zone 1. Außer zwei gelben Kabeltonnen gibt es auf dieser Tour keine Seezeichen. In Dangast landet man direkt neben der Hafeneinfahrt an, dort wo der Strand am steilsten ist. Das Zeitfenster, in dem man ohne durch den Schlick laufen zu müssen, anlanden kann, beträgt etwa zwei Stunden vor und nach Hochwasser. An den Wochenenden gibt es im Kurhaus den berühmten, leckeren Rhabarber Kuchen.

Wer etwas länger unterwegs sein möchte kann, zunächst über das Vareler Fahrwasser nach Varel paddeln und von dort nach kurzer Pause parallel zur Küste weiterfahren nach Dangast. Die dritte Variante wäre, direkt von Varel aus wieder über das Vareler Fahrwasser nach Wilhelmshaven zurück zu fahren (dann gibt es aber keinen Kuchen).

Viel detaillierter möchte ich hier nicht auf die Fahrtenplanung eingehen, nur noch so viel: nach der Ausfahrt aus dem Hafen, ist es günstig außerhalb des Fahrwassers, möglichst nahe am Ufer, unter Ausnutzung der Kehrwasser ca. eine halbe Meile nordwärts zu paddeln und dann unter Beachtung des Schiffsverkehr das Fahrwasser zu queren. Trotz des starken auflaufenden Stroms der Jade erreicht man das Vareler Fahrwasser dann nördlich des Leitdammendes. Von dort aus orientiert man sich den an den Tonnen des Vareler Fahrwassers. Die letzten Meilen des Vareler Fahrwassers, dort, wo es nach Süden schwenkt, ist starken Veränderungen ausgesetzt, die auch nicht immer in der Seekarte verzeichnet sind. Zur Zeit (2018) gibt es laut Seekarte drei kleine rote Tonnen, südlich davon beginnt der Prickenweg. Allerdings waren auf unserer Tour weder die Tonnen, noch die Beprickung vorhanden.

Auf unserer Fahrtroute liegen einige Schutzgebiete, die aber alle völlig problemlos umfahren werden können.

Anmerkung: Ich habe für diesen Fahrtenbericht einen von mir vor einigen Jahren im Seekajak veröffentlichen Artikel modifiziert.

Text: Detlev Kalter

Fotos: Detlev Kalter