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Neuwerk, so nah und doch so fern

Neuwerk, so nah und doch so fern – der Bann ist gebrochen

Seit gefühlten 10 und tatsächlichen 7 Jahren planen wir jährlich eine Frauenfahrt nach Neuwerk. Aufgrund schlechter Wettervorhersagen lag dieser Ort dann entweder auf Lühesand, Harriersand oder gar auf Spiekeroog. Nur nach Neuwerk führte keine unserer Touren. In diesem Sommer sollte der Bann gebrochen werden. Das letzte von 4 möglichen Wochenenden ließ uns hoffen, dennoch blieben wir bis kurz vor Fahrtantritt unsicher. Hält der Wetterbericht was er verspricht? Bleibt es bei den angekündigten Windvorhersagen? Sollte es diesmal tatsächlich klappen?

Mit Plan B im Gepäck machten wir uns am Samstagmorgen auf den Weg nach Cuxhaven. Schnell waren die Boote gepackt und zum Anleger gerollert. Bereits auf dem Weg zur Kugelbake war uns schnell klar, diesmal wird es klappen! Um Neuwerk fällt das Watt in großen Bereichen trocken. Als Wattwanderer müssten wir lediglich 10 km laufen, unsere Strecke ist jedoch 24 km lang. Die ersten 20 davon fahren wir entlang des Tonnenstrichs neben dem Elbefahrwasser bis zu den Reede Tonnen von Neuwerk. Dort treffen wir auf die Mündung des Weser-Elbe-Fahrwassers in die Elbe. Der angestrebte Pausenplatz ist nicht mehr weit. Der angekündigte Wind aus SW bescherte uns eine ordentliche Welle und nun wurde uns deutlich, warum es gerade bei dieser Tour so wichtig ist, auf die Windstärke und Richtung zu achten. Im Elbe-Neuwerk-Fahrwasser, am Rande des kleinen Vogelsandes, warteten wir den Tidenkipp ab, denn keiner von uns vieren hatte Lust, die letzten zwei Meilen gegen den Ebbstrom anzufahren.

Ebenso machte es großen Spaß die vielen Vögel zu beobachten, besonders wenn man eine Vogelkundlerin dabei hat. Die etwas zu früh getroffene Entscheidung weiterzufahren, setzte uns mehrfach auf Grund, sodass wir die letzten Meter nur noch treidelnd vorankamen. Der Pril ist in ständiger Veränderung und schlängelte sich ein ums andere Mal. Neuwerk schien zum Greifen nah und doch benötigten wir eine gute Stunde bis zum Ziel. Jetzt hieß es erst einmal, die Boote zu schleppen und zum Haus Seeblick zu rollern. Beim Überqueren der Wiesen wurden wir von einer Herde Rinder aufgehalten, die neugierig die Boote beschnupperten und gierig das Salz ableckten.

Das Zelt war schnell aufgebaut und es gab sogar noch ein Zimmer für Birgit. Nun ging es los, den alten Wehrturm der Hansestadt Hamburg zu besteigen, von dem man einen fantastischen Ausblick auf das Wattenmeer hat.

Auch für den Rückweg entschieden wir uns für die Light Version. Diesmal begleiteten uns eine Gruppe Pferde über die Wiese zum Einstiegsplatz. Mit weitaus mehr Wasser unterm Kiel als am Tag zuvor, fuhren wir den Pril entlang, um dann eine lange Pause im Wattenmeer einzulegen. Die Rückfahrt war ein purer Genuss, die Windrichtung hatte sich nicht verändert, wir hatten den Wind meist von hinten, und Tidenstrom und eine alte Dünunug schoben uns buchstäblich nach Cuxhaven. Was für eine schöne Tour!!!

Hoffentlich brauchen wir nicht wieder 7 Jahre, um wieder mal nach Neuwerk zu paddeln!

Sabine Meinke

Fotos: Detlev Kalter