Kajak Aktiv

Baltrum

Rund um die griechische Insel Lefkada

Urlaub in Griechenland? Klar. Aber paddeln in Griechenland? Nicht so klar. Wieso gerade Griechenland? Wieso nicht Schweden oder Finnland? Oder in Deutschland bleiben? Der Grund dafür war… – das Wetter.

Der Wunsch danach, eine Kajaktour bei verlässlich gutem Wetter zu machen, keimte bereits ein Jahr zuvor in mir auf. Vor uns lag eine mehrtägige Gepäcktour und bereits bei Beginn schüttete es wie aus Eimern. Doch wohin?
Zu unserem Glück konnten Sabine und Svend zu diesem Zeitpunkt schon auf mehrere Jahre Segelurlaub im Ionischen Meer rund um die Insel Lefkada in Griechenland zurückblicken. Was lag also näher, als genau dort zu paddeln, wo die zwei normalerweise segeln?

Gesagt, getan. Wir entschieden uns, eine geführte Tour zu unternehmen, um jemanden an unserer Seite zu haben, der bereits Erfahrung besaß mit den lokalen Gegebenheiten und der Interpretation der Wettervorhersagen für das Gebiet. Unsere Entscheidung fiel auf George Gazetas (odysea.gr), was sich als sehr gute Wahl erwies. Zusammen mit Panos, dem zweiten Guide, der die Tour begleitete, fühlten wir uns immer sicher und gut aufgehoben.

Unser Ausgangspunkt war Agios Nikitas, ein kleiner sympathischer Ort an der Westküste. Die Bedingungen waren optimal: Von Anfang an faszinierte uns das klare und azurfarbene Wasser. Doch unsere erste kleine Schrecksekunde ließ nicht lange auf sich warten. Gleich bei unserem ersten Lunch tauchte eine große Welle aus dem Nichts auf und spülte unsere Boote vom Land zurück ins Meer. Glücklicherweise machte es uns bei einer Wassertemperatur von 24 Grad nichts aus, ins Wasser zu springen und die Boote zurückzuholen.

Unser erster Übernachtungsplatz war ein nur vom Wasser aus erreichbarer Stand, von dem aus wir einen herrlichen Sonnenuntergang beobachten konnten. Die ganze Nacht rauschten die Wellen in nur wenigen Metern Entfernung, da wir unsere Zelte direkt am Wasser aufgeschlagen hatten, um uns vor drohendem Steinschlag an diesem Küstenabschnitt zu schützen.

Weiter ging es entlang der Westküste bis hin zum südlichsten Punkt der Insel, vorbei an vielen kleine Höhlen und vorgelagerten Felsen, die zum Staunen und Verweilen einluden. Auch das unglaublich klare Wasser übte eine große Faszination aus. Wir konnten bis auf den Grund sehen und fürchteten mehr als einmal, Bodenberührung zu bekommen – diese ungewohnte Klarheit täuschte uns mehr als einmal über die tatsächliche Wassertiefe.

In den kommenden Tagen führte unsere Tour uns über Vassiliki und Sivota nach Spilia auf Meganisi. Dort verschlechterte ein Hurrikan über dem Mittelmeer das bisher traumhafte Wetter und ließ die Temperaturen rasant um 9 Grad fallen. Auch der Wind blieb nicht aus und die Überfahrt von Meganisi nach Kalamos fiel aus. Nicht einmal die Fähren fuhren die Insel noch an. Wir saßen fest! Aber wir blieben nicht tatenlos und unternahmen von Spilia aus verschiedene Tagestouren.

Bei diesen Tagestouren bekamen wir ordentlich Wellen von der Seite und es kam zu gleich zwei Kenterungen. Als Doris kenterte, konnte Svend sein Können zeigen und ihr sicher zurück ins Boot helfen. Diese Erfahrung zeigte mir, dass auch eine Kenterung bei höherem Wellengang kein großes Problem darstellt und gut zu bewältigen ist.

Unsere letzte Etappe führte uns von Spilia nach Nidri. Beim Start war mir noch ein wenig mulmig zumute, wusste ich doch nicht, welche Wellen uns bei der Überfahrt erwarten würden. Zur Sicherheit ging George mit uns noch einmal alles durch, was im Falle einer Kenterung zu tun wäre. Zu unserer aller Erleichtern erwies sich die letzte Etappe dann doch als sehr entspannt. Die Wellen kamen von vorne und wir konnten noch einmal die atemberaubende Landschaft bewundern.

Martin Schoneberg

Fotos: Martin Schoneberg, Sabine Schröter, Svend Linder